DER STÄDTISCHE FRIEDHOF CĒSIS

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Rudolf von Freymann

Rudolf von Freymann

1860 - 1934

Geborene im Jahre 1860. [Tag und Stunde der Geburt:] Den 14ten vierzehnten April, Abends im Viertel auf zwölf Uhr. [Tag der Taufe:] Den 28ten achtu[nd]zwanzigsten Mai. [No. und Namen des Kindes:] 24. Rudolph Carl Wilhelm. [Eltern:] von Freijmann, Otto Eduard Woldemar, Stabscapitain im St. Peterburgischen Grenadier-Regimenete König Friedrich Wilhelm III und Ritter und dessen Ehefrau Pauline Sophie Catharine, geb. Baronesse von Stackelberg. Beide Ev. Luth. Geboren in Narva. [Wo und von wem getauft:] In der Wohnung der aeltern Vom Hunnius Pastor.[..]

EAA.4380.2.8:5

Rudolf von Freymann †. Der Tod hat gestern einen markanten Vertreter der alten Generation aus unserer Mitte gerissen. Im Begriff, eine Erholungsfahrt nach Oger anzutreten, ist Rechtsanwalt Rudolf von Freymann einem Herzschlage erlegen. Der alte Herr, der kurz nach dem Besteigen des Zuges plötzlich das Bewußtsein verloren hatte, wurde in die Bahnhofsambulanz getragen, doch erwiesen sich alle Bemühungen, ihn ins Leben zurückzurufen, vergeblich. Rudolf von Freymann hat ein Alter von 74 Jahren erreicht. Der Lebensgang des vielseitig veranlagten und von Energie und Fleiß befeelten jungen livländischen Edelmannes führte im damaligen russischen Staatsdienst schnell aufwärts. In Dorpat, wo er Landsmann der Livonia war, studierte er die Rechte. Er diente im Senat, dann im Justizministerium, wo er bis zum Juriskonsulten aufstieg, war seit 1902 Gehilfe des Geschäftsleiters der Kaiserlichen Bittschrisftenkanzlei und später Chef der Kanzlei. Er wurde Senateur und stieg im Hofdienst bis zum hohen Rang eines Stallmeisters. Lange Jahre war er weltlicher Assessor des St. Petersburger ev. luth. Konsistoriums. Nach der Revolution und den Friedensschlüssen, als Lettland seine diplomatischen Beziehungen zum Sowjetstaat aufnahm, wurde Rudolf von Freymann Juriskonsult der lettländischen Gesandtschaft in Moskau. Nach einigen Jahren siedelte er nach Riga über und wurde Rechtsanwalt. Er war ein eifriges Mitglied des Deutschen Juristenvereins, dessen Ehrenmitglied er wurde. In diesem kurzen Umriss können die Leistungen und Verdienste des Verstorbenen im öffentlichen Leben und auf seinem Fachgebiet keine erschöpfende Würdigung finden. Wohl aber soll hervorgehoben werden dass Rudolf v. Freymann in seinen letzten Lebensjahren sich nicht mir mit bewundernswerter Spannkraft schon aIs alter Mann in den ganz neuen Beruf gefunden, sondern mit einer ebenso bewundernswerten Lebensfrische seinen vielseitigen edlen Liebhabereien nachging. Er liebte Sport, er war musikalisch, hatte literarische Neigungen und war ein Maler von Talent. Noch in seinen späten Lebensjahren war er ein guter Reiter und ein begeisterter Anhänger des Tennissports. Sein sportlich gestählter Körper schien gegen die Beschwerden des Alters gefeit zu sein, und erst in der allerletzten Zeit machten sich Anzeichen davon bemerkbar, dass auch dieses reiche Leben sich seinem Ende zuneigte.

Rigasche Rundschau, Nr.154 (12.07.1934)