DER STÄDTISCHE FRIEDHOF CĒSIS

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Robert Spiess

Robert Spiess

1855 - 1911

[1911 Wenden Stadt / Originaltext - Russisch] [Nr.] 14. [Todestag:] den 20. Mai um 12 Uhr mittags, in Gustavsberg; [Begräbnistag:] den 25. Mai, in Wenden; Förster Spiess, Carl Robert; [Geburtsort:] Salwen, Gouvernement Kurland?; [Alter:] 55 6/12 Jahre; verheiratet; [Todesursache:] getötet

LVVA_F235_US15_GV676_0078

Kreis Riga. Zur Ermordung des Oberförsters Spiess in Gustavsberg berichtet die “Rig. Ztg.”: Freitag gegen 10 Uhr vormittags kamen zu dem Gutsverwalter zwei junge Leute, dem sie erzählten, dass sie Arbeit annehmen wollten. Als sie sich dem Verwalter auf etwa 10 Schritte genähert hatten, zogen sie heide ihre Brownigs aus den Taschen und feuerten gegen ihn mehrere Schüsse. Tödlich durch eine Kugel in die Schläfe und zwei Kugeln in der Brust verwundet, brach der Verwalter zusammmen, worauf die Mörder forteilten und verschwanden. Der Verwalter Robert Spiess, 54 Jahre alt, war preussischer Untertan und war 1905 von dem Gute unter der Bedrohung vertrieben, dass er im Fall einer Wiederkehr getötet warden würde. Es scheint also diese Drohung an ihm jetzt ausgeführt zu sein. Die Mörder waren städtisch gekleidet und man meint daher, dass sie aus der Stadt gekommen waren. Bald traf der Kreischef mit dem Kreisarzt, einem Prokureursgehilfen und einem Untersuchungsrichter ein. Von anderer Seite, die als authentisch gelten darf, erfahren wir noch: Herr Spiess erhielt 3 Kugeln, von denen zwei in den Kopf und eine in die Brust eingedrungen waren. Die Täter sind zwei junge Leute, von denen einer Lack=Schähtenstiefel trug. Herr Spiess hat mehrfach belastende Aussagen in den Revolutionsprozessen gemacht und kürzlich war er gleichfalls in dieser Eigenschaft vom Bezirksgericht geladen, worauf sich die Annahme, dass ein Racheakt vorliegt, stützt. Ferner bringen wir noch von amtlicher Seite in Erfahrung, dass keine Zeugen den Ueberfall gesehen haben, wodurch eine Untersuchung resp. die Verfolgung der Täter erschwert ist. Nach der Tatbestandaufnahme ist es nicht ausgeschlossen, daß Herr Oberförster Spiess sich den Rowdies gegenüber verteidigt hat, denn ein Shuss ist durch den Spazierstock gegangen. Weitere Einzelheiten über den sehr traurigen Fall liessen sich bisher noch nicht ermitteln.

Baltische Post, Nr.115 (23.05.1911)