DER STÄDTISCHE FRIEDHOF CĒSIS

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Johanna von Holst

Johanna von Holst

1827 - 1847

[1847 Wenden] [Nr.:] 17.[ Todestag:] Juli siebzehnten V[or]mittag halb 11 Uhr; [Begräbnistag:] Juli drey u[nd] und zwanzig. N[ach] Mitt[ags]. Birkenruh. Johanna v[on] Holst. Tocht. des wers[torbenen] Dorpats Stadts=Physicus Dr. med. v[on] Holst u[nd] s[eine]. fr[au] gb. Rathleff T. [Geburtsort:] Dorpat. [Alter:] 20 J[ahre]; ledig [Todesursache:] Hatten das Unglück / zu gl[eicher] Zeit im einer / Vertiefung in d[ie] Aa / bogen Baden zuer- / Trinken [Allgemeine Bemerkungen:] die drei jugendl[ichen] Leichen kamen / nach langer unermüdlichen / Suchen am 21te Juli aus den Tiefes / empor.

LVVA_F235_US4_GV531_0008

"Wenden, d. 24. Juli. Ein höchst trauriges Ereignis hat sich am 17.[Juli] d. Vormittags im Patrimonial Gebiete unserer Stadt zugetragen. Es hatte sich nämlich die Frau Charlotte Holländer, geb. Rathlef, Gemalin des Besitzers des Höfchens Birkenruhe und des Inhabers der dasigen Pensions=Anstalt, Literaten Albert Holländer, mit 4 ihrer Töchter, ihrer Nichte Fräulein Johanna Holst und einer Wirthschafterin nach der Aa begeben, um sich zu baden. Durch die häufigen Regengüsse war der Wasserstand höher und der Strom des Flusses in diesem Jahre reißender geworden als in früheren Jahren und in Folge des in den letzten Tagen gefallenen Regens hatten sich wahrscheinlich in der abgesteckten, bisher stets gefahrlosen Badestelle Untiefen gebildet. Plötzlich, vor den Augen der noch mit dem Entkleiden beschäftigten Mutter und Tante, werden deren beide Töchter, die Frau Pastorin Marie Schatz, geb. Holländer, und Fräulein Johanna Hollander, und deren Nichte Fräulein Johanna Holst vom starken Strome ersaßt und in die Tiefe gerissen. Auf ihr lautes Angstgeschrei stürzt sich die unglückliche Mutter nach, um ihre beiden Töchter und ihre Schwestertochter zu retten, geräth darüber aber ebenfalls in Lebensgefahr und wird nur durch die Geistesgegenwart ihrer andern Nichte, des Fräulein Marie Holst, und ihrer Wirthschafterin, welche, als sie zu sinken beginnt, ihr nachstürzen, sie glücklich erfassen und auf sicheren Grund zurückführen, der sie bedrohenden Lebensgefahr entrissen. Die drei Unglücklichen aber versanken in die Tiefe des Stromes. Ihr weithin schallendes Angstgeschrei zog in Kurzem Leute aus der Umgegend herbei; es wurden sofort Maßregeln zur Rettung getroffen. Allein, obgleich es an thätiger Hilfe durchaus nicht mangelte, obgleich alle Mittel zur Rettung angewandt wurden, gelang letztere nicht. Erst am 20. [Juli] fand man ihre Leichen an drei verschiedenen Stellen unterhalb des Flusses. Gestern Nachmittag fand vom Trauerhause aus die Bestattung der Verunglückten unter allgemeiner Theilnahme unserer Stadt u. Umgegend statt. Die Herren Pastoren Punschel sen. und jun. aus Wenden, Kyber aus Arrasch und Walter aus Wolmar sprachen Trostesworte im Hause und an der Gruft. Es war ein ergreifender und rührender Anblick, als die 3 Entschlafenen auf einem Leichenwagen, unter Vortritt der 4 Prediger und zahlreichem Gefolge von Trauernden, zum nahen Friedhofe zu ihrer Ruhestätte geleitet wurden. — Welcher Gram und welcher Schmerz über das Trauerhaus eingebrochen, läßt sich durch Worte nicht schildern. Die Theilnahme ist eine gänzlich ungetheilte, nicht allein durch das Unglück an sich, sondern insbesondere durch die Familie, deren freundlicher und glücklicher Kreis drei Glieder durch dieses plötzliche, ungeahnete Ereigniß verloren hat. (Zusch.) "

Inland, 04.08.1847