DER STÄDTISCHE FRIEDHOF CĒSIS

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Ernst Kiwull

CPK_P-110-01

Cēsu Vēstures un mākslas muzejs, CM 5781

Ernst Kiwull

1862 - 1926

"In memoriam Dr. med. E. Kiwulls. Aus Wenden wird uns geschrieben: Aus der altersgrauen Johanniskirche, zu deren Kirchenrat er seit Jahren gehörte, haben wir heute Stadtarzt Dr. med. Ernst Kiwull zur Letzten Ruhestatt geleitet. An seiner Bahre standen Deutsche und Letten, trauerten die Bewohner Wendens und der Umgegend. Auch in weiteren Kreisen hat sein Tod, der ihn bei Ausübung seines Berufes ereilte, schmerzliches Bedauern ausgelöst. Denn der Versorbene hat nicht nur in 37jähriger ärztlicher Praxis vielen Tausenden Linderung und Heilung gebracht, sondern auch durch wissenschaftliche namentlich durch das von ihm enddeckte Verfahren zur leichteren Diagnose des Ileus. Dr. Ernst Kiwull wurde am 11. Nowember 1862 in Riga geboren, absolvierte das Gouv.=Gymnasium und wurde 1888 in Dorpat zum Dr. med. promoviert, woraus er Assistant im Rigaschen Stadtkrankenhause wurde, wo er namentlich unter Jansen und Bergmann arbeitete. Hatte er auch die Chirurgie zu seinem Spezialgebiete erwählt, so war er doch auch in anderen Zweigen der medicinischen Wissenschaft zu Hause und arbeitete wissenschaftlich weiter, da, wie er zu sagen pflegte, ein Landarzt ein Mädchen für alles sein müsste. Im Jahre 1891 wurde er zum Stadtarzt und Leiter des städtischen Krankenhauses nach Wenben berufen, gewann bald durch glückliche Kuren und geschickte Operationen eine ausgedehnte Lanbpraxis, die er bis zu seinem Ende beibehielt. Schwer trug er daran, bass er die ganze untere Etage seines Krankenhauses dem russischen Militär abtreten mußte und jahrelang auf die Säle des Oberstockes beschränkt blieb. Freudig begrüsste er den Ausbau seiner Anstalt im Vorjahre, der ihm namentlich einen hellen Operationssaal verschaffte. Nach seinen Plänen wurde 1896 das Leprosorium für Südlivland in der Nähe Wendens erbaut, dessen Leitung er durch Jahrzehnte innehatte und dessen Betrieb er vielen auswärtigen Gästen, selbst aus dem fernen Japan, zeigen durste. Nach Wiedereröffnung des Landesgymnasiums zu Birkenruh im Jahre 1906 wurde er zum Anstaltsarzt gewählt, arbeitete nach Schliessung der Schule im ritterschaftichen Lazarett, welches in deren Räumen eingerichtet wurde unb wurde wieder Arzt der staatlichen Mittelschule, die 1920 im alten Schulgebäude eröffnet wurde. - Nicht nur als Mediziner ist Kiwull tätig gewesen. Er hat sich auch mit geologischen und archäologischen Fragen beschäftigt, war ein eifriges Mitglied der “Vereinigung für Heimatkunde"", die einige Jahre hindurch sich bemüthe, historisches Material zusammenzutragen zur Geschichte von Wenden und Umgegend, bis der Krieg unb das Schwinden der deutschen Einwohnerschaft ihr ein jähes Ende bereitete. Ein von Kiwulk aus Kort geschnitztes Modell ber alten Burg Wenden gehörte zu den Gegenständen der baltischen Ausstellung in Berlin. Seine Vertrautheit mit der Umgebung Wendens, die er auf seinen vielen ärztlichen Fahrten erworben hatte, benutzte er, um einen “Führer"" zusammenzustellen welcher auf bie schönsten Punkte aufmerksam macht. Als beim Bau eines Hauses bie Arbeiter auf alte Grabstätten stiessen, liess Kiwull diese sorgfältig bloslegen und beschrieb die dabei gemachten Funde in seinem Aufsatz: “Gewandreste und Bronzefunde in lettischen Gräbern ber jüngeren Eisenzeit"", welcher in den “Mitteilungen aus der Livländischen Geschichte"". Band 21, veröffentlicht wurde und ihm die Ernennung zum Mitglied der Kaiserlich Russischen Gesellschaft für Archäologie eintrug. — Flösste Kiwull als Arzt Vertrauen ein durch bie ruhige Freundlichkeit, mit welcher er seinen Patienten entgegentrat, so dass der Kranke schon frischen Mut schöpfte, wenn er ihn an sein Bett treten sah, so lernte man den Menschen erst recht kennen und lieben in der Häuslichkeit, die er sich in Birkeuruh geschaffen hatte, wo er in glücklicher Ehe lebte und seine Kinder zu tüchtigen Menschen heranwachsen sah. Sein Garten machte ihm besonders viel Freude, seiner Pflege widmete er manche Stunde seiner knapp bemessenen freien Zeit. Wer sein Gast war, an seinem Tische sass, wurde Zeuge des goldenen Humors, welcher der Grundton seines Wesens bildete. In den Stellen ist er gestorben. Trotzdem er sich nicht ganz wohl fühlte, leistete er doch der Aufforderung Folge, einen Kranken zu besuchen. Dort brach er zusammen. Nicht im eigenen Hause, sondern in fremder Umgebung hauchte er seine Seele aus. Wer durch seine Kunst Genesung erlangt, wer seine Freundschaft erfahren, segnet sein Andenken. "

Rigasche Rundschau, Nr.190., 24.08.1928